Sozialpädagoge: Verteufelung von Computerspielen kontraproduktiv

Auf Heise.de gibt es einen Hinweis auf einen Artikel des Sozialpädagogen Jannis Wlachojiannis (Lostin Space – Beratung für Computer- und Internetsüchtige) in der Zeitschrift KJug (Kinder- und Jugendschutz in Wissenschaft und Praxis).

Spielt ihr Kind exzessiv am Computer, hilft es nicht, wenn Eltern das Spiel verteufeln. Sätze wie „Das Spiel ist daran schuld, dass du sitzengeblieben bist“ oder „Die Entwickler der Spiele müsste man verklagen“ führten eher zu mehr Streit in der Familie, erläutert der Sozialpädagoge Jannis Wlachojiannis von Lost in Space, der Beratung für Computerspiel- und Internetsüchtige des Caritasverbandes Berlin. Stattdessen sollten die Eltern versuchen, mit ihrem Kind eine einvernehmliche Lösung über die Spieldauer zu finden.

Spielzone – Dokumentation über Computerspielsucht

In vielen Familien führt das stundenlange Spiel von Kindern und Jugendlichen in virtuellen Computerwelten tagtäglich zu Auseinandersetzungen. Doch dieser Kleinkrieg um den Versuch, die Kids aus dem Sog herauszuholen, ist längst keine Privatangelegenheit mehr. Heide Breitel fragt, warum immer mehr Kinder und Jugendliche computersüchtig werden und welche Konsequenzen diese moderne Krankheit für ihre Psyche und die Entwicklung ihres Gehirns hat.

Am 3. Juni 2008 hat arte eine interessante Dokumentation über Computerspielsucht ausgestrahlt.

Erziehungswissenschaftler Wolfgang Bergmann beschreibt darin die Sinnsuche der meist männlichen Spielern recht treffend, wenn auch etwas romantisierend.

  • Spielzone bei arte
  • Kicken und Lesen

    Kicken und Lesen

    Unter dem Titel „Kicken und Lesen“ schreibt die Landesstiftung Baden-Württemberg in Kooperation mit dem VfB Stuttgart Projektgelder für die Förderung der Lesekompetenz von Jungs aus. Unter anderem die PISA-Studien haben gezeigt, dass Jungs weniger lesen als Mädchen, und wenn sie lesen, dann lesen sie ander(e)s. Pünktlich zum EM-Jahr wird das Thema jetzt mit dem Dauerbrenner Fußball verbunden und vielleicht entstehen ja interessante Projekte für Jungs.

    Die Projektgelder gibt es natürlich nur für Projekte in Baden-Württemberg.

    JIM-Studie 2007 erschienen

    Kürzlich ist die neue JIM-Studie für das Jahr 2007 erschienen. Schwerpunkt dieser Ausgabe war die Handynutzung durch Jugendliche, aber auch deren Missbrauch. In der Regel ist die Druckausgabe sehr schnell vergriffen, also beeilen oder die Studie als PDF downloaden.

    Zur Seite der MPFS

    Handymissbrauch steigt an

    94 Prozent aller Jugendlichen haben aktuell ein Mobiltelefon. Die breite Ausstattung technischer Möglichkeiten wie Datentausch oder Foto- und Videofunktionen ermöglicht dabei zunehmend missbräuchliche Anwendungen. 29 Prozent der Handybesitzer zwischen zwölf und 19 Jahren haben schon einmal mitbekommen, dass eine Schlägerei mit dem Handy gefilmt wurde. Mit einer Zunahme von 12 Prozentpunkten gegenüber 2006 hat sich dieser Wert fast verdoppelt. Inzwischen ist jeder dritte Junge und jedes vierte Mädchen mit diesem unter dem Namen „happy slapping“ bekannten Phänomen in Berührung gekommen. Hauptschüler berichten häufiger von solchen Vorkommnissen als Realschüler und Gymnasiasten.

    Ein Drittel der jugendlichen Handybesitzer hat im Freundeskreis den Austausch von gewalthaltigen oder pornografischen Inhalten mitbekommen. Jeder zehnte Jugendliche war selbst betroffen und bekam solche jugendgefährdenden Inhalte auf sein Handy geschickt. Der Datenaustausch wird durch die gute Ausstattung der Handys begünstigt – zwei Drittel aller Jugendlichen haben ein Handy mit Bluetoothschnittstelle, die den kostenfreien Austausch ermöglicht. Vier von fünf Jugendlichen können mit ihrem Handy ins Internet gehen und haben eine integrierte Kamera.

    Die Studienreihe JIM (Jugend, Information, (Multi-)Media) des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest bildet seit 1998 das Medien- und Freizeitverhalten der Jugendlichen zwischen zwölf bis 19 Jahren in Deutschland ab. Für die repräsentative Studie werden ca. 1.200 Jugendliche befragt. Die Gesamtergebnisse der 2007 zum zehnten Mal erhobenen Studie wurden heute in Mannheim vorgestellt.